Mit 15 oder 16 Jahren habe ich James Baldwin gelesen, ‚Beale Street Blues’. Und das hat meinen Blick auf die afroamerikanische und homosexuelle Perspektive total verändert. Also das fand ich großartig, ja? Also es war ein tolles Buch. Dann habe ich alles von dem gelesen, der wurde auch in der DDR verlegt. Also da habe ich sehr viel von James Baldwin gelesen, ‚Giovannis Zimmer‘ und wie die alle heißen, die Bücher. Und dann später, also das Letzte, was ich toll fand, war von Chimamanda Ngozi Adichie, dieser Roman Americanah, wo sie sich ja ganz explizit mit der Rolle des Rassismus in den USA beschäftigt als Nigerianerin.“
Es gab ein paar Bücher. Ich habe Malcolm X relativ früh gelesen, eigentlich zu einer Zeit, wo ich das noch nicht so richtig verstanden hätte können. Aber irgendwie fand ich das cool. Ich hatte auch so einen Malcolm X Basecap und so. War ich auch ganz stolz drauf. Stimmt, das fällt mir im Nachhinein erst auf. Obwohl ich mich sehr als Deutsch gefühlt habe, habe ich mich schon sehr stark mit der Schwarzen, vor allem mit der afroamerikanischen, Kultur verbunden gefühlt. Und fand das immer irgendwie toll und spannend und hat mich irgendwie auch fasziniert. Ich meine, welcher, 10-jährige liest denn eine Biographie über Malcolm X? Ist ja eigentlich auch sehr ungewöhnlich”
Welche Bücher und/oder Geschichten haben dir geholfen, Rassismus besser zu verstehen?

“Das wichtigste Vehikel [der] antirassistischen Arbeit [von Dagmar Schultz] war ihr der 1974 von ihr mitgegründete Orlanda Verlag, den sie ab 1982 leitete. Mit dem Verlag schuf sie ein Forum für Themen, die in der damaligen Öffentlichkeit noch Tabus darstellten (er veröffentlichte z.B. den ersten feministischen Titel in Deutschland zum Thema sexueller Missbrauch), aber auch Literatur von schwarzen Frauen, von women of color, von Jüdinnen in Deutschland und international.”

“Theodor Wonja Michael war einer der letzten Schwarzen Deutschen Überlebenden der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus. 2019 verstarb der afrodeutsche Zeitzeuge, der durch sein erinnerungspolitisches und antirassistisches Engagement zu einer Symbolfigur des Kampfes um Sichtbarkeit Schwarzer Menschen in Deutschland wurde. Ein Teil seines Nachlasses geht nun ein in die Sammlung des Dokumentationszentrums und Museums über die Migration in Deutschland (DOMiD) in Köln.”

“Die Bibliothek von EOTO vereint den Anspruch, ein Ort für alle Menschen zu sein und gleichzeitig einen Raum der Heilung sowie der Bestärkung Schwarzer Menschen zu schaffen. Die Koexistenz rassialisierter und nicht-rassialisierter Gruppen führt zur Etablierung eines Raums der gemeinsamen Reflexion, um, an Freire anknüpfend, Unterdrückte und Unterdrückende zusammen aus den Ungerechtigkeitsstrukturen zu befreien (vgl. Freire 1973, S. 73). Aus der Untersuchung hat sich ergeben, dass durch eine rassismuskritische Ausrichtung legitimierte rassistische Strukturen, beispielsweise mit Hilfe von Diskussionsrunden und Literatur, aus der Perspektive Schwarzer Menschen reflektiert und dekonstruiert werden können. Durch derartige Lernerfahrungen wirken Praxen der Erwachsenenbildung somit über den Lernort Bibliothek hinaus in die Gesellschaft.”
