zurück

Nicht-Wissen und Ignoranz

Ich würde so sagen, seit zehn Jahren oder so mache ich das auch offensiv und spreche auch meine weißen Freunde darauf an, so dass halt, ähm, ja, warum man in bestimmten Situationen zum Beispiel so reagiert, ne? Warum man dann vielleicht ein bisschen ruhiger ist oder warum man, sauer ist bei irgendeiner Aussage, bei irgendeiner dummen Aussage. Weil das passiert ja auch meinen Freunden, dass sie Aussagen tätigen, die, über die sie nicht nachdenken oder die im ersten Moment ihnen gar nicht so, schlimm erscheinen und ich jetzt aber mir auch die Zeit nehme und auch das Bedürfnis habe zu erklären, warum das falsch ist, und warum das, nicht gut ist, so was zu sagen, oder warum ich mich, zum Beispiel bei bestimmten Dingen, verletzt fühle. Das habe ich früher nie gemacht.

Noah García im Interview mit dem WueRD-Projekt
Maisha Auma (zuvor Eggers), Grada Kilomba, Peggy Piesche und Susan Arndt: Mythen, Masken und Subjekte. Kritische Weißseinsforschung in Deutschland, Erstauflage 2005, https://unrast-verlag.de/produkt/mythen-masken-und-subjekte/

„Die Analysekategorie Weißsein wurde nicht zuletzt auch im Kontext Schwarzer Hegemonialkritik gebildet und ist ebenso Teil einer tradierten Schwarzen Überlebensstrategie wie auch Schwarzer politischer Bewegungen. Kritische Weißseinsforschung in Deutschland ist damit keineswegs ein rein akademisches Feld, sondern auch die alltägliche Reflexion Schwarzen Lebens in einem hegemonialen weißen Setting.“

Peggy Piesche in Mythen, Masken und Subjekte, Unrast, 2009, S. 16

„Gerade solche Perspektiven tragen dazu bei, die Normalität/Normativität des hegemonialen Diskurses zu durchbrechen, indem Weißsein ins Zentrum des Blickfeldes gerückt, explizit benannt und in sozialen Interaktionen subversiv umgedeutet wird. Die Dekonstruktion der hegemonialen weißen Positionalitäten benötigt eine Kontextualisierung von Weißsein in historisch verankerten und reflektierten Zusammenhängen.“

Peggy Piesche in Mythen, Masken und Subjekte, Unrast, 2009, S. 16

Aber ich habe letztens so einer Deutschen gesagt ‚Ihr habt keine Ahnung, wie das ist, eine Ausländerin zu sein. Und du hörst die Medien. Du setzt dich nicht hin, du überprüfst nicht, du guckst nicht nach. Du überprüfst das nicht. Glaubst du, die Araber haben was gegen Frauen? Wir sind nur ein Objekt‘. Meine Mami hat immer gesagt ‚Wenn du Nazis siehst, guck nicht nach unten. Lauf ganz normal. Bleibe standhaft in dir und sei immer darauf eingestellt, dass du rennen musst‘. Und eine Freundin sagte ‚Nein, das ist nicht so‘, ich sag ‚doch, wenn du als Ausländer in Deutschland lebst‘.

Daniela Viloria im Interview mit dem WueRD-Projekt
Dagmar Schultz, Dem Rassismus in sich begegnen, 1981 in Courage: Berliner Frauenzeitung
Poster zum Jahrestag des Anschlags am 19.2.20 in Hanau, Initiative 19. Februar Hanau
Tupoka Ogette: Exit Racism, Unrast, Erstauflage 2017, https://unrast-verlag.de/produkt/exit-racism/
Noah Sow: ‚Deutschland Schwarz Weiß. Der alltägliche Rassismus‘, BoD, Neuauflage 2018, https://buchshop.bod.de/deutschland-schwarz-weiss-noah-sow-9783746006819
Logo der Black-Lives-Matter-Bewegung

BlackLivesMatter (engl. Schwarze Leben zählen, abgekürzt: BLM) ist eine ursprünglich in den USA entstandene Graswurzel-Bewegung. Sie setzt sich gegen strukturellen Rassismus und insbesondere gegen rassistische Polizeigewalt und für die Abschaffung der Polizei und des Gefängnissystems in den USA ein. Inzwischen ist aus ihr die Black Lives Matter Global Network Foundation entstanden. Ihr Ziel ist es, Weiße Vorherrschaft zu brechen und gegen Gewalt gegenüber Schwarzen Communitys zu intervenieren. 

Ins Leben gerufen wurde der Hashtag #BlackLivesMatter am 13. Juli 2013 durch die Anwältin Alicia Garza und die Bürgerrechtsaktivist:innen Patrisse Cullors-Bignac und Opal Tometi. Unmittelbarer Auslöser war der Freispruch des weißen Wachmanns George Zimmerman im selben Jahr. Er hatte ein Jahr zuvor den 17-jährigen Schwarzen Trayvon Martin entgegen der Anordnung der Polizei verfolgt und dann erschossen, weil er ihn für einen Dieb hielt. Nach der Ermordung des Afroamerikaners George Floyd am 25. Mai 2020 durch einen weißen Polizisten in Minneapolis (Minnesota) kam es unter dem Motto „Black Lives Matter“ weltweit zu Demonstrationen, die sich mit der Bewegung in den USA solidarisch erklärten.

aus dem Glossar des IDA-NRW, ida-nrw.de
Jule Bönkost: Kritisch weiß sein, 2023, https://unrast-verlag.de/produkt/kritisch-weiss-sein/

Wir waren im Urlaub in Österreich. Ich hab mich im Restaurant hingesetzt und die Leute – dieses Gegaffe dann wieder! Dann setz’ ich mich dann immer mit’m Rücken zur Wand. So, dass ich die Leute im im Blick hab’. Und dann hat mich die Mutter meiner Frau dann gefragt ‚Wieso sitzt du denn immer so?‘ Ich sag’: ‚Guck’ dir doch mal die Leute an, dieses blöde Geglotze, ist dir das noch nicht aufgefallen?‘ Ihr ist es nicht aufgefallen. Und da hat sie gesagt: ‚Nee, das hat ja jetzt nichts mit Rassismus zu tun. Muss ja nicht was mit der Hautfarbe zu tun haben. Mich haben die Leute in der Sauna auch angeguckt, weil ich kleine Brüste hab.‘ Da hab’ ich gedacht: Man ist dat dein Ernst? Wenn solche Sachen von der Schwiegermutter kommen ja, solches Unverständnis!

Obum Müller im Interview mit dem WueRD-Projekt

Was empfindest du, wenn dich jemand auf rassistisches Verhalten, Sprechen oder Denken hinweist?

„Scham ist nur zu einem bestimmten Punkt konstruktiv. Einsicht ist es dagegen sehr! Deshalb: Mach dich nicht fertig. Mach es einfach nicht mehr. ;)“

Alice Hasters am 26.7.2018 auf Twitter