Orientalismus

Das bedeutsame Buch ‚Orientalismus‘ von Edward Said zeigt, wie der Orient von europäisch-westlichen Autor*innen als exotischer Ort erfunden wurde. Der sogenannte Orient ist also ein Produkt der Fantasie. Die damit verbundenen Zuschreibungen zeigen sich darin, dass Menschen als Andere wahrgenommen werden, also als irgendwie nicht ganz normal und nicht selbstverständlich dazugehörend. Dieses ausgrenzende Denken zeigt sich bis heute – etwa in der Schule.

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Vertragsarbeit

Vielen als ‚Vertragsarbeiter*innen‘ bezeichneten Arbeitsmigrant*innen in der DDR wurde eine Ausbildung versprochen, die sie häufig nicht oder nicht in dem angekündigten Umfang erhielten. Gleichzeitig erlebten sie rassistische Ausgrenzung und Abwertung. Der Staat inszenierte demgegenüber ein antifaschistisches Selbstbild und gab vor, dass es in der DDR keinen Rassismus gebe.

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‚Mein Name ist Ausländer‘

Mit ihrem Gedicht ‚Mein Name ist Ausländer‘ kritisierte Semra Ertan die Ausbeutung von migrierten Arbeitskräften, die nicht als vollwertige Gesellschaftsmitglieder gesehen wurden. Semra Ertan ist eine wichtige Stimme, wenn der Widerstand gegen die Ausbeutung arbeitender Menschen und Antirassismus zusammen gedacht werden.

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Kraftvolle Texte

1983 wurden erstmals auf Deutsch Werke der Schriftstellerin Audre Lorde im Orlanda-Frauenverlag veröffentlicht. Ihre und weitere Texte stellen wichtige Quellen der Aneignung des Wissens über Rassismus dar, insbesondere in den 1980er und 1990er Jahren, in denen Online-Medien noch nicht zugänglich waren.

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Sichere Räume in unsicheren Verhältnissen

Wohnheime für sogenannte Vertragsarbeiter*innen in der DDR waren einerseits Orte der Isolation, da die Bewohner*innen von der Mehrheitsgesellschaft weitgehend getrennt leben mussten. Die Wohnheime waren andererseits wichtige Räume, um über rassistische Angriffe zu sprechen, Erfahrungen zu teilen, gemeinsam Schutzstrategien zu entwickeln und Aktivitäten wie etwa dem gemeinsamen Musikmachen nachzugehen.

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Immer in Aktion sein

1985 gründete sich die ‚Initiative Schwarze Menschen in Deutschland‘. Auch viele weitere selbstgegründete Vereine und Organisationen rassistisch diskriminierter Personen entstanden in dieser Zeit oder entwickelten sich in den Jahren danach. Dies verweist auf das politische Engagement für die Gestaltung gemeinsamer Räume, in denen Verbundenheit und Austausch im Fokus stehen.

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Wissenschaftliches Wissen

1986 veröffentlichten Annita Kalpaka und Nora Rätzhel das Buch ‚Die Schwierigkeit, nicht rassistisch zu sein‘ und darin ihren Text ‚Wirkungsweisen von Rassismus‘. Das Buch war für die wissenschaftliche, politische und pädagogische Auseinandersetzung mit Rassismus in Deutschland prägend.

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Wer ist liebenswürdig?

Auch Liebesbeziehungen sind nicht frei von gesellschaftlichen Normen und Vorgaben. Obwohl sich viele Menschen ihre Beziehung als einen geschützten Rückzugsort vorstellen und zumindest wünschen, spielen gesellschaftliche Machtverhältnisse auch in Liebesbeziehungen eine Rolle: Wer übt Kontrolle aus und wer wird kontrolliert? Wer schmückt sich mit wem? Wer darf wen lieben? Auch Rassismus kann in Liebesbeziehungen wirken.

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Verbindung

Von Rassismus betroffene Menschen erleben es mitunter, dass ihnen nicht geglaubt oder kein Interesse entgegengebracht wird, wenn sie im Gespräch mit weißen Personen versuchen, auf ihre Erfahrungen zu verweisen. Wenn sich Personen, die Rassismus erleben, über geteilte und unterschiedliche Rassismuserfahrungen austauschen, kann dagegen ein Raum der Verbindung entstehen.

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Mauerfall

Der sogenannte Mauerfall wurde von vielen Menschen in Deutschland mit ausgelassener Freude, wie in einem Taumel, erlebt. Der Fall der Berliner Mauer 1989 steht für eine tiefgreifende gesellschaftliche Neuordnung. Für Menschen, die Rassismus erleben, war diese Neuordnung nicht allein positiv, sondern auch mit Bedrohlichkeiten verknüpft. In der nationalistischen Stimmung des als wiedervereinigtes Deutschland erlebten und bezeichneten Nationalstaats formierte sich auch die Idee eines starken ‚Wir‘. Dieses ‚wir‘ schloss diejenigen aus, die als anders, also als nicht zugehörig, angesehen wurden. Rassistische Pogrome folgten und bestätigten den Realitätssinn, der im Gefühl des Unwohlseins und der Bedrohung angesichts des nationalen Taumels enthalten war.

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Die Erfindung des Ostens

In Medien und öffentlichen Debatten lässt sich beobachten, dass Rassismus in Deutschland teilweise als spezifisch ostdeutsches Problem dargestellt wird. Im Gegensatz dazu erschien Westdeutschland lange offener und toleranter. Der Historiker Patrice Poutrus wirft einen kritischen Blick auf diese Gegenüberstellung. Er hebt hervor, dass das spezielle Bild von Ostdeutschland erst in Folge des Mauerfalls entstanden ist.

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Rassismus verschweigen

Im Jahr 1991, kurz nach dem Ende der DDR, trat das Staatssicherheitsdienst-Unterlagen-Gesetz (StUG) in Kraft. Dadurch konnte die während der DDR-Zeit erfolgte Überwachung und Kontrolle von Menschen durch die Staatssicherheit (Stasi) nachvollzogen werden. Es zeigt sich jedoch, dass die Stasi-Akten nicht alles wiedergeben, was im DDR-Alltag eine unterdrückende Wirkung hatte. Rassismus, der die Kontrolle und die Überwachung für die davon betroffenen noch verschärfte, wird in vielen Akten nicht aufgeführt oder nicht als Rassismus benannt.

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Eine Sprache aus der Sprachlosigkeit

Wissen über Rassismus haben sich viele Menschen in den 1990er und 2000er Jahren unter anderem über Rapmusik angeeignet. Die vorliegende Spur verweist darauf, wie wichtig Musik für viele rassismuserfahrene Menschen ist. Mit Bezug auf ‚Advanced Chemistry‘ wird deutlich, wie Rassismus für viele Menschen durch die kritischen Texte dieser Musikgruppe aus dem Bereich des Sprachlosen heraustrat. Dadurch entstanden auch Möglichkeiten des Verstehens eigener Erfahrungen.

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Solidarität

Die sogenannten Lichterketten-Demonstrationen in den frühen 1990er Jahren galten als Ausdruck von Solidarität und als Zeichen der Ablehnung von rassistischer Gewalt. Diese wurde in dieser Zeit oftmals Ausländer- oder Fremdenfeindlichkeit genannt. Gleichzeitig zeigte sich eine weitreichende Ignoranz gegenüber einem Verständnis von Rassismus als gesamtgesellschaftlichem Problem. Personen, die Rassismus erleben, sowie Vereine und Organisationen kritisierten die Untätigkeit der Politik und ein nur oberflächliches solidarisches Handeln.

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Wissen um Gewalt

Aufgrund einer Reihe von Brandanschlägen in den frühen 1990er Jahre entwickelten viele rassismuserfahrene Familien aus Angst vor möglichen Angriffen Schutzmaßnahmen. Es entstand ein geteiltes Erfahrungswissen über Unsicherheit und mangelnden staatlichen Schutz. Dieses Wissen prägte das Leben von Personen, die Rassismus erleben.

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Verlust

Die Logik des Rassismus ist für jene, die ihn erleben, eine des Verlusts: Verlust von Zugängen und Möglichkeiten, Verlust von Träumen, von Sicherheit, von Anerkennung und auch von Beziehungen. Eine spezifische Form des Verlusts besteht darin, dass vielen Kindern in Ost- und Westdeutschland der Kontakt zu ihren Vätern verwehrt wurde, so dass die Kinder wie auch die Väter einen Verlust erlitten.

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Verbot

Rassismus ordnet und regelt den Alltag und das Zusammenleben von Menschen. Der Sprache kommt hierbei eine wichtige Funktion zu. Sprachvorgaben, -regeln und -verbote verhindern das Sprechen bestimmter nicht-deutscher Sprachen. Auch regelgemäßes Deutschsprechen schützt allerdings nicht davor, sprachlich als nicht-zugehörig und als Andere*r zu gelten.

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Feministische Kämpfe

In den 1980er und 1990er Jahren entstanden vielfältige feministische Wissensorte und-archive zum Thema Rassismus. Bei politischen und wissenschaftlichen Tagungen und in weiteren Austauschräumen wurden Selbstbezeichnungen wie beispielsweise ‚Schwarz sein‘ diskutiert und gemeinsame Forderungen und politische Positionen erarbeitet. Es entstanden Bücher und Texte, die unter anderem problematisierten, dass Gruppen politisch aktiver Frauen die Perspektiven und Stimmen rassistisch diskriminierbarer Frauen ausschließen oder unzureichend berücksichtigen.

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Die Unmündigen

Im Rassismus geht es auch darum, als Andere geltende unmündig zu machen und unmündig zu halten. Dieses Phänomen ist besonders für diejenigen Menschen und ihre Lebenssituation bedeutsam, die schon lange in Deutschland leben, keinen deutschen Pass haben, zum Teil von Abschiebung bedroht sind und systematisch von der Teilhabe an politischen Entscheidungen ausgeschlossen sind. Darauf verweist der Verein ‚Die Unmündigen‘, der sich in den frühen 1990er Jahren in Mannheim gründetet hat.

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Blickrichtungen umkehren

In den 1980er und 1990er Jahren stellte Fernsehen ein wichtiges und viel genutztes Medienformat dar. Auch Rassismus wurde im Fernsehen thematisiert, allerdings war dies eher eine seltene Ausnahme. Nicht zuletzt das Internet ermöglichte neue Formen des Sprechens und Lernens über Rassismus. Neue Wissensspuren eröffneten sich.

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‚Rassismus tötet‘

Der Slogan ‚Rassismus tötet‘ wird zum Teil bei Demonstrationen gegen Rassismus verwendet, um auf die tödliche Gefahr für rassismuserfahrene Personen zu verweisen. Auch geht es mit dem Slogan darum, auf die Notwendigkeit von Schutz aufmerksam zu machen. Im Rahmen des Projekts WueRD interviewte Personen erzählen von Momenten, in denen ihnen klar wurde, dass Rassismus tötet und sie sich entsprechend schützen müssen.

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Deutschland kalt

Menschen, die Rassismuserfahrungen in der DDR oder der BRD gemacht haben, sind oft mit Formen gesellschaftlicher und sozialer Gleichgültigkeit, fehlender Unterstützung, dem Ausbleiben von Empathie und Mitgefühl sowie dem Vorenthalten von Solidarität konfrontiert. Diese gesellschaftliche Kälte zeigt sich auch in der wiederholten Anteilnahmslosigkeit der Mehrheitsgesellschaft bei rassistischer Gewalt. Sie spiegelt sich auch in den Reaktionen auf den Mord an Alberto Adriano im Jahr 2000 in Dessau.

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Kinder und Medien

2003 zeigte Kodjo Attikpoe in einer wissenschaftlichen Untersuchung auf, dass Schwarze Figuren in deutschsprachigen Kinder- und Jugendbüchern der 1980er und 1990er Jahre klischeehaft und in negativer Weise dargestellt wurden. Eine solche klischeehafte Rolle, die nicht-weißen Kindern in Büchern und Hörspielen zugewiesen wird, lässt sich bis heute erkennen. Kritik daran wird von Autor*innen, Musiker*innen, Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen formuliert und mit der Forderung verbunden, solche Darstellungen zu verändern.

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WWW

Die Internetnutzung nahm in Deutschland ab den 2000er-Jahren stark zu. 2003 nutzten erstmals mehr als die Hälfte der Menschen das Internet täglich. Das Internet ermöglicht Wissensaustausch und -aneignung auch mit Bezug auf das Thema Rassismus. Gleichzeitig stellt das Internet einen unsicheren Raum dar. Das hat auch Auswirkungen auf diese digitale Ausstellung und macht Sicherheitsüberlegungen notwendig.

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Erinnern heißt verändern

‚Erinnern heißt verändern‘ ist ein Slogan, den die ‚Initiative 19. Februar Hanau‘ nutzt, um deutlich zu machen, dass das Gedenken, die Erinnerung an rassistische Gewalttaten, auch Konsequenzen für die Zukunft haben muss. Diese und weitere Initiativen und Angehörige fordern Aufklärung, Verantwortung von Behörden und Politik sowie konkrete Veränderungen in Bezug auf rassistische Gewalt, damit sich diese nicht wiederholt. Eine wirksame Erinnerungsarbeit geht insbesondere von Betroffenen rassistischer Gewalt und deren Angehörigen aus. Sie sind es, die an zahlreiche Gewalttaten erinnern, wie etwa an den rechtsterroristischen Nagelbombenanschlag 2004 in Köln.

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Schutz

2006 fand in Dortmund eine Demonstration mit der Forderung „Kein 10. Opfer!“ statt. Mehmet Kubaşık und Halit Yozgat wurden kurz zuvor von einer terroristischen Gruppe ermordet, die sich ‚Nationalsozialistischer Untergrund‘ (NSU) nannte. Angehörige und viele Initiativen forderten Aufklärung und Schutz vor weiteren Taten. Die ermordeten Menschen starben aufgrund rassistischer Gewalt. Ermöglicht wurden die Morde aber auch durch unzureichenden Schutz und den unzureichenden politischen Willen, Rassismus als Gefahr ernst zu nehmen.

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Normalität des Rassismus

Rassismus ist eine gesellschaftliche Normalität, die beeinflusst, wie Menschen die Gesellschaft, sich selbst und andere verstehen lernen. Diese Normalität wird auch davon charakterisiert, dass Rassismus von Menschen, die keinen Rassismus erleben, oft nicht erkannt wird. Auf die Normalität des Rassismus und ihre Bedeutung für pädagogische Kontexte, wie Schule oder Jugendzentrum, verweist Paul Mecheril, Professor für Erziehungswissenschaft, unter anderem in einem Artikel in der Zeitschrift ‚Überblick‘ aus dem Jahr 2007.

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„Augen sprechen viel“

Sehen und Gesehenwerden sind durch gesellschaftliche Machtverhältnisse geprägt. Viele Menschen, die Rassismus erleben, entwickeln ein Wissen darüber, warum und wie sie als Andere wahrgenommen werden. Wer wird auf der Straße von wem wie angesehen? Wer ist das Objekt wessen Sehens? Bereits Kinder erwerben über die Art und Weise, wie sie angesehen werden, ein Wissen darüber, das sie als Andere gelten. Der HipHop-Musiker Samy Deluxe geht darauf ein. In seinem Lied ‚Superheld‘ aus dem Jahr 2009 spricht er an, wie sehr die Umgebung von rassismuserfahrenen Kindern weiß geprägt ist.

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Rassismus bildet

Rassismus ist eine Art und Weise der Unterscheidung von Menschen, die die ganze Gesellschaft durchdringt. Da wir alle in dieser Gesellschaft aufgewachsen sind und in ihr leben, haben wir diese Art der Unterscheidung, die zu Abwertung und Ausgrenzung führt, erlernt, auch ohne uns darüber immer bewusst zu sein. Rassismus führt so dazu, dass wir auf entsprechende Formen des Handelns, Denkens und Fühlens zurückgreifen, wenn wir eine Situation deuten müssen. Rassismus bringt also auch ein rassistisches Wissen hervor. Anne Broden und Paul Mecheril verwenden hierfür den Ausdruck ‚Rassismus bildet‘.

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Rassismus dokumentieren

Rassistische Angriffe werden, wie es insbesondere von Angehörigen von Opfern rassistischer Taten herausgestellt wird, von Polizei und Gerichten häufig unzureichend verfolgt. Dies führt dazu, dass zivilgesellschaftliche Akteur*innen, nicht zuletzt von rassistischen Taten und Gewalt betroffene Personen, die Dokumentation rassistischer Verhältnisse selbst vornehmen müssen. Damit machen sie auf notwendige gesellschaftliche Veränderungen aufmerksam.

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Die Geschichten der Eltern erzählen

Eko Fresh erzählt im Song ‚Der Gastarbeiter‘ von 2012 die Migrationsgeschichte seiner Großeltern. Seine sowie weitere Erzählungen rassismuserfahrener Menschen zeigen, dass die Geschichten der (Groß-)Eltern auch Geschichten über Rassismus in Deutschland darstellen. Die Nachkommen machen diese Geschichten zugänglich.

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Empowerment

Empowermenangebote gibt es in Deutschland verstärkt seit den frühen 2000er Jahren. Im Austausch mit anderen Menschen, die Rassismus erleben, wird für Teilnehmende von Empowermentworkshops und -seminaren ein Sprechen über Rassismus möglich, das zur Stärkung von Selbstverstehen und -wirksamkeit beitragen kann.

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Schulisches Erleben

Die rassistische Unterscheidung des Menschen kennzeichnet die gesellschaftliche Realität durchgehend. Die Möglichkeit der rassistischen Unterscheidung ist auf allen gesellschaftlichen Ebenen (wie dem Gesundheits- und Bildungssystem, der Justiz oder der Polizei) vorhanden und wird unter bestimmten Umständen umgesetzt. Dieses rassistische System prägt das Wahrnehmen, das Fühlen, das Denken, das Sprechen und das Handeln. Auch in der Schule wird ein Bild von Norm und Abweichung, oft auch unbeabsichtigt, weitergetragen.

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Ansprache

Wenn Personennamen als eindeutige Zeichen der nationalen oder kulturellen Zugehörigkeit verstanden werden, kann damit eine Zuordnung verbunden sein, die dem Selbstverständnis der jeweiligen Person widerspricht. Menschen, deren Name als ‚nicht-deutsch‘ gelesen und gehört werden, werden zuweilen damit konfrontiert, dass ihr Name kommentiert wird. Der Name kann vom Gegenüber etwa als eigentümlich oder schwer aussprechbar eingeordnet werden, wodurch Anderssein zugeschrieben wird. Auch ein spontanes Duzen von unbekannten Personen, die erwachsen sind, kann eine abwertende Praxis darstellen.

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Der zweite Anschlag

2018 erschien der Film ‚Der zweite Anschlag‘. Der Begriff des zweiten Anschlags wird im Film verwendet, um auf den medialen, polizeilichen und öffentlichen Umgang mit Berichten über Rassismus und Rassismuserfahrungen im Zusammenhang mit rassistischen Angriffen hinzuweisen. Ein zweiter Anschlag ist es etwa, wenn Familienangehörige von Ermordeten als potentielle Täter*innen behandelt werden.

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Wissensweitergabe

2018 thematisierte der Rapper Megaloh in einer neuen Version des 2001 veröffentlichten Songs ‚Adriano‘ der ‚Brothers Keepers‘ die Schwierigkeit des Sprechens über Rassismus mit Kindern. Er und weitere rassismuserfahrene Eltern stellen heraus, dass es gleichwohl notwendig ist, über die auch von rassistischen Momenten geprägte gesellschaftliche Realität zu sprechen, um ihre Kinder für die alltägliche Gefahr des Rassismus zu sensibilisieren und sie zu stärken. Dies gilt auch dann, wenn die Kinder nicht mehr klein, gar bereits erwachsen, sind.

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#vonhier

Die Frage nach der Herkunft, „Woher kommst du?“, stellt eine Frage dar, bei der häufig bereits bestimmte Antworten erwartet und zuweilen auch verlangt werden. So wird oft nicht jede Antwort auf diese Frage akzeptiert und damit einhergehend häufig auch nicht, wenn Antwortende sagen, dass sich als deutsch verstehen oder aus Deutschland kommen. Unter dem Hashtag #vonhier teilten rassistisch diskriminierte Personen im Jahr 2019 Erfahrungen mit der Frage „Woher kommst du?“ und kritisierten die häufig erkennbaren rassistische Muster stärkenden Erwartungen auf Seiten der Fragenden.

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Nicht-Wissen und Ignoranz

In Folge von antirassistischem Engagement nimmt seit 2020 die kritische Auseinandersetzung mit dem Zusammenhang von Privilegien und rassistischer Wirklichkeit und damit auch mit ‚Weißsein‘ zu. Diese Auseinandersetzung verdeutlicht unter anderem, wie gesellschaftliche Normalität mit dem Bild weißer Menschen verknüpft ist und andere Menschen bestenfalls als Ausnahme hervorbringt. Weiße Menschen lernen sich so als gesellschaftlich selbstverständlich zugehörig und auch als ‚normal‘ zu verstehen.

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Studentische Initiativen

Die Auseinandersetzung mit Rassismus an Hochschulen in Deutschland war lange Zeit sehr randständig und Studierende konnten nur selten Seminare zu diesem Thema besuchen. Studierende gestalteten mitunter selbst rassismuskritische Angebote. Die studentische Initiative ‚Bildung-Macht-Rassismus‘ etwa organisierte an der Universität Hamburg ab 2018 mehrere rassismuskritische Veranstaltungsreihen. Abschlussarbeiten und studentische Aktivitäten und wie diese stehen für seltene, aber über die Jahre an den Hochschulen in Deutschland an Bedeutung gewonnen habende Thematisierung von Rassismus und auch für Zusammenschlüsse von Studierenden, die Rassismus erleben.

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Erfolgsgeschichten

Wer wird ernst genommen, wem wird Kompetenz zugetraut und zugeschrieben, und wer erhält gesellschaftlich Anerkennung für bestimmte Leistungen? Diese Spur verweist darauf, dass Rassismus schulische, sportliche sowie berufliche Wege prägt und Zugänge zu gesellschaftlicher Teilhabe erschwert.

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Musik der Gastarbeit

Die Musik von sogenannten Gastarbeiter*innen erzählt oft von Ankommen, Ausgrenzung und Widerstand. Sie macht Erfahrungen hörbar, die in offiziellen Geschichtserzählungen wenig sichtbar sind. Dabei trägt diese Musik das Wissen über Rassismus über Generationen hinweg weiter. Der 2022 erschienene Film ‚Aşk, Mark ve Ölüm – Liebe, D-Mark und Tod‘ und die im gleichen Jahr veröffentlichte Mini-Doku ‚Sounds aus der Seele – Musik zwischen Almanya und Deutschland‘ machen diesen wichtigen Aspekt deutscher Zeitgeschichte hör- und erfahrbar.

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Mobilität

Öffentliche Orte sind potenziell Orte, die von Gefahren geprägt sind, die aber nicht jede Person gleichermaßen betreffen. Dies gilt auch für die Bewegung durch und im öffentlichen Raum. Fortbewegung zu Fuß, mit dem Fahrrad, im öffentlichen Nahverkehr, im Taxi oder im privaten Auto ist mit der Gefahr möglicher Rassismuserfahrungen verknüpft. Rassistisch diskriminierbare Personen entwickeln Strategien des Umgangs mit (möglichen) Rassismuserfahrungen.

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Wessen Trauer?

Rassismus stellt Ungleichheit unter Menschen her. Nicht jedes Leben wird dann gleich viel beachtet. Nicht jedes Leben, das zu Ende gegangen ist, wird in einer von Rassismus geprägten Gesellschaft gleich viel betrauert. Auch steht die Trauer rassismuserfahrener Menschen zuweilen in Verdacht, unangemessen zu sein. Die Stadt Hanau stellte 2025 die Trauer von Emiş Gürbüz als unpassend dar, die sie bei einer Gedenkveranstaltung in der Erinnerung an ihren in Hanau in Zuge rassistischer Gewalt ermordeten Sohn Sedat Gürbüz zum Ausdruck brachte.

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„Alles deutsche Geschichte“

Viele in Deutschland lebende Menschen machen Erfahrungen der Herabwürdigung, der Zurücksetzung und Diskriminierung. Rassismuserfahrungen spiegeln gesellschaftliche Strukturen. Das Wissen von Menschen, die Rassismus erleben, kann als Wissen über Gesellschaft und ihre Geschichte verstanden werden. Die Ausstellungsplattform ‚Wissen über Rassismus‘ geht 2026 online und macht Rassismus als Bestandteil von Gesellschaftsgeschichte kritisch sichtbar.

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Zukünfte

Welche Zukunft ist denkbar? Welche Zukunft ist gestaltbar? Welche Zukunft ist machbar? Was braucht es? Welche Verantwortung trägt jede einzelne Person? Die Wünsche der im WueRD-Projekt befragten rassismuserfahrenen Personen sowie weiterer Menschen laden ein zum Nachdenken, zum Verwerfen, zum Aufregen, zum Träumen, zum Trauern, zum Kämpfen, zum Erweitern.

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