2018 thematisierte der Rapper Megaloh in einer neuen Version des 2001 veröffentlichten Songs ‚Adriano‘ der ‚Brothers Keepers‘ die Schwierigkeit des Sprechens über Rassismus mit Kindern. Er und weitere rassismuserfahrene Eltern stellen heraus, dass es gleichwohl notwendig ist, über die auch von rassistischen Momenten geprägte gesellschaftliche Realität zu sprechen, um ihre Kinder für die alltägliche Gefahr des Rassismus zu sensibilisieren und sie zu stärken. Dies gilt auch dann, wenn die Kinder nicht mehr klein, gar bereits erwachsen, sind.
Als zweitstärkste Partei wurde die AfD 2025 mit 22,6 % in den Bundestag gewählt und ebenfalls als zweitstärkste Partei 2024 mit 30,6 % in den Landtag Sachsens. Bei der Bundestagswahl war die AfD in Dresden die stärkste Kraft. Auch im Stadtrat Dresdens ist sie seit 2024 die stärkste Kraft. Die in Dresden lebende Daniela Viloria erzählt im Rahmen des WueRD-Projekts geführten Interview von Gesprächen, die sie infolge der Wahl mit ihren erwachsenen Söhnen geführt hat. Es sind Gespräche, die sie führen muss, denn es geht um die Sicherheit ihrer Kinder. Im Interview stellt sie heraus, dass das Selbstverständnis, nicht nur in Deutschland zu leben, sondern auch Deutsch zu sein, durch potenzielle rassistische Gewalt in Frage steht und diese Infragestellung auf eine reale Gefährdung verweist. Dieses Wissen an die eigenen Kinder weiterzugeben, ist nicht immer einfach, nicht zuletzt, wenn die Kinder erwachsen sind und auf ihrer eigenen, von der elterlichen Auffassung abweichenden Einschätzung der Situation bestehen. Für Daniela Vilorias 20-jährigen Sohn fühlte es sich an, als wollte die Mutter sein Gefühl der selbstverständlichen Zugehörigkeit zu Deutschland erschüttern. Daniela Viloria wiederum geht es darum, ihrem Sohn die Realität des Rassismus zu vermitteln, ihm zu vermitteln, dass gesellschaftliche Logiken auch damit verbunden sind, dass ihm die Zugehörigkeit zu Deutschland immer wieder streitig gemacht wird. Damit nimmt sie ihm etwas: Sie nimmt ihm das Selbstverständnis, ein gutes Leben zu führen und auch zukünftig zu führen. In Daniela Vilorias Perspektive muss sie ihm dieses Gefühl jedoch nehmen, um die realen Gefahren des Rassismus zu benennen. Die Kommunikation zwischen Eltern und Kinder bezogen auf die Frage, ob für die Kinder in Bezug auf etwas ein Risiko besteht und wie mit diesem Risiko umzugehen sei, ist eine allgemeine Herausforderung in der Eltern-Kind-Kommunikation. Für Eltern nicht zuletzt erwachsener Kinder geht es auch immer darum, nicht zu bevormunden und zugleich aber auch nicht fahrlässig zu sein. Je klarer Eltern die Objektivität eines Risikos einschätzen, desto dringlicher wird es für sie, ihre Kinder vor Unheil zu bewahren. Die rassistische Struktur des Alltags ist ein solches Risiko.
Die Geburt eigener Kinder und deren Aufwachsen geht damit einher, auch eigene Erfahrungen zu betrachten und zu reflektieren. Dies gilt auch für Rassismuserfahrungen. So sprechen beispielsweise Tupoka Ogette, Autorin und Antirassismus-Bildnerin, und Natasha A. Kelly, Professorin für Global African Arts, im Podcast von Tupoka Ogette über die Veränderung des Blicks auf das eigene Aufwachsen in rassistischen Verhältnissen und die Wichtigkeit des Sprechens mit Kindern und Jugendlichen über diese Erfahrungen. Auch Riem Spielhaus, Professorin für Islamwissenschaft, plädiert dafür, Kinder und Jugendliche nicht mit ihren Erfahrungen allein zu lassen. Sie verweist darauf, dass es in ihrer Kindheit und Jugend in der DDR kaum möglich war, über Rassismus zu sprechen. Auch Tupoka Ogette thematisiert diesen Umstand in ihrem Buch ‚Trotzdem zuhause‘.
Dass es herausfordernd ist, Kinder in rassistischen Verhältnissen zu erziehen, macht auch der Rapper Megaloh zum Thema. In einer erweiterten Version des Songs ‚Adriano‘ (2001) im Rahmen eines Auftritts von Samy Deluxe mit weiteren Künstler*innen der ursprünglichen ‚Brothers-Keepers‘-Formation spricht Megaloh 2018 die bestehende rassistische Gewalt in Deutschland an. Die Frage, wie eine angemessene Auseinandersetzung mit dieser Realität und mit dem Umgang mit dieser Wirklichkeit aussehen kann, ist für Eltern ausgesprochen bedeutsam. Die im Rahmen des WueRD-Projekts geführten Interviews machen darauf aufmerksam, dass insbesondere das Jugendalter ein Zeitraum ist, in dem rassismuserfahrene Kinder Rassismus verstehen wollen und sich eigenständig auf die Suche nach Materialien und Austauschräumen machen. Eine solche Suche zeigt sich im Dokumentarfilm ‚Spendier mir einen Çay und ich erzähl dir alles‘. Dort spricht der 18-jährige Ruben Sabel im Gespräch mit anderen Menschen über Berufswege, das Leben in rassistischen Verhältnissen und darüber, wer er Person, die Rassismus erlebt, in diesen Verhältnissen (nicht) sein kann.