Meral: Damals musstest du noch Kassetten und so kaufen.
Ayla: Ich habe viel türkische Musik auf jeden Fall auch gehört. Ohne auch die richtig zu verstehen, habe ich immer diesen Kampfgeist dahinter gespürt.
Also die türkische Volksmusik war immer eine Widerstandsmusik. Und früher, als meine Mutter das gehört hat und geweint hat, dachte ich: ‚Oh, ich kann das nicht mehr hören‘, aber jetzt liebe ich diese Musik, ne? Ist das deine Gerechtigkeit Welt, ne? Für mich war meine Mutter eine Hausfrau. Erst später, wo ich dann auch einige Feministinnen kennengelernt habe und die mir dann verbildlicht haben, wie politisch die Generation meiner Mutter war, habe ich es gemerkt. Und ich habe Fresh Familee auf jeden Fall gehört.
Welche Musik berührt dich?

„Saat 6 dır şimdi Köln’e geldik dediler.
Altı altı hepımızı koğuşlara verdiler.
Tüy yerine altıma ot yatağı serdiler.
Banyo tuvalet fabrika da dediler.
Alamanya, alamanya umduğun şeyi bulaman ya“.
„Als Schweißer, als Hilfsarbeiter
Als Drecks- und Müllarbeiter
Stahlbau und Bandarbeiter
Sie nennen uns Gastarbeiter
Unsere deutsche Freunde
Sie nennen uns Gastarbeiter
Unsere deutsche Freunde,
Sie haben am Leben Freude“
„Deutsche Freunde meine ich nicht das deutsche Volk selber, sondern die Politiker meine ich. Obwohl die uns nicht wollten, da haben die immer gesagt ‚Unsere türkischen Freunde‘. Und ich wollte mal diese Botschaft weiterbringen an die deutschen Politiker“

„Oh Germany, oh Germany, du tust mir manchmal weh“ – eine junge Frau singt im Jahr 1984 an der rheinischen Musikschule über das Leben als sogenanntes Gastarbeiterkind und ist damit nicht allein. Denn zwischen Fließbandjobs und Amtsgängen entsteht in Deutschland ab den 1960er Jahren eine musikalische Parallelwelt. Eine Welt, in die Cem Kayas Film entführt. Man findet sich auf dem Basar im Berliner Hochbahnhof Bülowstraße, auf türkischen Hochzeiten und in den Clubs der Nachwendezeit wieder. Dabei begleitet von türkisch-deutscher Musik, die von Heimweh, Sehnsucht, Rassismus und auch Wut handelt.
Aşk, Mark ve Ölüm liefert authentische Einblicke in die türkisch-deutsche Musikgeschichte und behandelt die Ausgrenzung türkischer Gemeinden in Deutschland auf eindrückliche Weise. Eigene Musiklabels, Radiosender und Konzerttouren für den türkischen Markt etablieren sich in Deutschland. All das dokumentiert Cem Kaya anhand ausgiebig recherchierten Archivmaterials.
Ein berührender Film, der die Ungerechtigkeit, der die sogenannten Gastarbeiter ausgesetzt waren, greifbar macht. Zugleich aber inspiriert der Film, indem er von der emanzipatorischen Antwort der türkischen Gemeinde auf Ausgrenzung und Hass erzählt. Für seinen dokumentarischen Essayfilm erhielt Cem Kaya auf der Berlinale den Panorama Publikumspreis.
„Was ich damit sagen will ist doch völlig klar. Jeder Mensch hat Rechte, manche nehmen das aber nicht wahr. Es gibt halt dumme Menschen, die denken nicht so klar. Ob du oder ich – es gibt keine Differenz: Du bist ein Mensch, Ich bin ein Mensch.
Vertragt euch und gebt euch eure Hände. Ich laber nicht zum Spaß, das ist ‘ne Botschaft, die ich euch sende.
Tief aus meinem Herzen, tief aus meinem Innern.
Nehmt war, was ich euch sage, helft mit die Feindschaft zu verringern. Ich weiß, es nützt nicht viel, es geht euch am Arsch vorbei. Was ich sage ist Realität keine dumme Laberei. Jeder weiß Kriege sind für niemand ein Gewinn. Brüder morden Brüder hin – ein Sterben ohne Sinn. Fang mal an zu denken, schau wir sind gleich. Wir haben die Neunziger und nicht das Dritte Reich. Fühlt euch jetzt nicht angegriffen – ich will doch nur bezwecken, dass man sich drauf konzentriert:
Andere Welten zu respektieren“