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Verbindung

Ich habe meine Geschichte wirklich schon des Öfteren erzählt. Aber erst heute habe ich geweint. Warum? Keine Ahnung.

Daniela Viloria im Gespräch mit dem WueRD-Projekt
Alex Demirović im Gespräch mit Encarnación Gutiérrez Rodríguez im Podcast ‚tl;dr,‘ Folge 23: Gayatri Chakravorty Spivak – Can the Subaltern speak?, 2023,youtube.com

„Spivak gilt als Mitbegründerin der postkolonialen Theorie. Mit ihrem Text will Spivak in die symbolische Ordnung der globalen kapitalistischen Herrschaft intervenieren. Der klassische territoriale und der neuere postkoloniale Imperialismus schaffen eine internationale Arbeitsteilung. Es entstehen Zonen der Subalternität, in denen Menschen von jeder Mobilitätslinie abgeschnitten sind: analphabetisch, obdachlos, überausgebeutet. Bekommen solche Menschen eine Stimme? Sind sie präsent oder werden sie repräsentiert in den globalen Herrschaftsverhältnissen? Spivak kritisiert Foucault und Deleuze dafür, dass sie nur an Frankreich, nur an Gruppen wie Gefängnisinsassen, Schüler*innen oder Soldaten denken, und dass sie suggerieren, die Macht sei nicht so mächtig, den Subalternen die Stimme zu nehmen. Subalterne können sprechen, so die Überzeugung von Spivak, aber ihre Stimme wird zum Verstummen gebracht oder sie werden nicht gehört. Sie demonstriert diesen Zusammenhang, indem sie den Suizid einer indischen Freiheitskämpferin der 1920er Jahre wie einen Text dechiffriert. Vor dem Hintergrund Bildungsarbeit mit Illiteraten und ihren politischen Erfahrungen als Wahlbeobachterin in afrikanischen Ländern argumentiert Spivak, dass Repräsentation notwendig ist. Dies ist eine Aufgabe, die diasporische Intellektuelle wie sie selbst eine ist, wahrnehmen sollten. Sie arbeiten in den Zentren des Kapitalismus und sollen sich dafür einsetzen, die Verhältnisse in den Gesellschaften, aus denen sie kommen, zu verändern.
Zu Gast ist Encarnación Gutiérrez Rodríguez, Professorin für Soziologie an der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Sie forscht in einer dekolonialen und antirassistischen Perspektive und gab 2003 gemeinsam mit Hito Steyerl das Buch ‚Spricht die Subalterne deutsch? Migration und postkoloniale Kritik‘.“

Beschreibung der Folge ‘Gayatri Chakravorty Spivak – Can the Subaltern speak?’ des Podcasts ‘tl;dr’, 2023, rosalux.de

„Im Jahr 1988 erlangte die indische Literaturwissenschaftlerin und Philosophin Gayatri Chakravorty Spivak (geb. 1942 in Kalkutta), die schon kurz zuvor mit ihrer Aufsatzsammlung In Other Worlds (1987) für Aufsehen in der akademischen Welt gesorgt hatte, gleich mit zwei Publikationen internationales Renommee: den gemeinsam mit Ranajit Guha herausgegebenen Selected Subaltern Studies (zu denen Edward Said das Vorwort beisteuerte) sowie dem auf einen Vortrag von 1983 zurückgehenden Essay Can the Subaltern Speak? Anfang der 1980er Jahre hatte sich Spivak, die in Indien Literatur studierte, 1967 an der Cornell University promovierte und zwischenzeitlich als Assistenzprofessorin in Austin/Texas tätig war, der (neomarxistischen) Forschergruppe der Subaltern Studies um den Historiker Guha angeschlossen und mit ihrer poststrukturalistischen und feministischen Perspektive nachhaltig geprägt.“

Oliver Hidalgo über Gayatri Chakravorty Spivak, 2016, link.springer.com

Wer versteht deine Erfahrungen?

‚Blauer Samt – Rap als Lyrik der Moderne‘, Torch im Gespräch mit Danyal Bayaz und Sandra Richter, Deutsches Literaturarchiv – Literaturmuseen, 2024,youtube.com
Torch: ‚Blauer Samt. Eine Monografie von Frederik Hahn‘, Rotary Head, 2021. https://krekpek.com/?product=torch-blauer-samt-eine-monografie-von-frederik-hahn
Murat Güngör und Hannes Loh: ‚Remix Almanya. Eine postmigrantische HipHop-Geschichte‘, hannibal, 2024, https://hannibal-verlag.de/produkt/remix-almanya/?srsltid=AU7gw4U9Qw_MsNYPcWlV4XN2PsfSeGeOhC7ISahE2S0zMtpc1Ci8A3Ow

Um so eine Identifikation zu finden, da haben Musik und Filme mir schon geholfen. Oder um in verschiedene Communitys wieder irgendwie reinzukommen. Da habe ich dann viel über Musik und Filme Zugang gefunden.

Gülay Demir im Interview mit dem WueRD-Projekt

Meine Mutter ist mit einem Kubaner verheiratet gewesen, der auch immer wieder von rassistischen Beleidigungen und Übergriffen erzählt hat. Über die Wohnheime und über Querverbindungen gab es Austausch. Der Mann meiner Mutter war Musiker, er kannte dann viele andere Musiker auch. Und es waren natürlich dann auch Leute aus anderen Ländern, die sich dann zu Musikgruppen zusammengeschlossen haben. In einer Band war dann einer aus Angola, einer aus Brasilien. Ganz, ganz verschiedene. Und darüber, über diese Leute hat man dann viel erfahren, was da los war in den Heimen, wie die Vietnamesen gejagt wurden, wie Mosambikaner gejagt wurden, wie gerade auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen tatsächlich wirklich Jagd auf diese Leute gemacht wurde.

Obum Müller im Interview mit dem WueRD-Projekt.

Wie gesagt, ich hatte keine Vorbilder, keine Identifikationsfiguren. Angela Davis war mein großes Vorbild. Ich war ihr größter Fan und habe mir direkt einen Afrolook wachsen lassen. Da war ich ungefähr 14. 1973 kam sie zu den Weltfestspielen. Das war eine ganz wichtige Erfahrung. Die zehnten Weltfestspiele waren ein Vorzeigeprojekt der DDR, bei dem die ganze Welt in Berlin zu Gast war. Auch Angela Davis kam. Wir haben alle Briefe unterschrieben, damit sie aus dem Gefängnis kommt. Das waren Figuren, mit denen ich mich identifizieren konnte und mit denen ich mich identifiziert habe.

Naema Werner im Interview mit dem WueRD-Projekt

„Von Anfang an haben wir immer Fußball gespielt. Das war unser Highlight.“

Ibraimo Alberto, 1981 als sogenannter Vertragsarbeiter in die DDR kam, im Gespräch mit Ronny Blaschke, Deutschlandfunk Kultur, 2024, deutschlandfunkkultur.de

„Sport in der DDR Wie vietnamesische Vertragsarbeiter Schutz im Fußball fanden […] Eines der Lieblingsthemen dieser Gemeinschaft in der DDR war Fußball. Zwischen Ostsee und Erzgebirge formierten sich 16 Mannschaften vietnamesischer Vertragsarbeiter. Im Spielbetrieb der DDR waren sie nicht willkommen, deshalb organisierten sie eigene Turniere. Hoang Van Thanh, damals Anfang 20, kümmerte sich um Plätze, Reisebusse und Trikots. Die Vietnamesische Botschaft verbreitete die Informationen in ihren Rundschreiben. Hoang Van Thanh erinnert sich: ‚Unser Alltag war nicht leicht. Aber im Fußball konnten wir unsere Gemeinschaft leben. Allein in Leipzig gab es fünf vietnamesische Teams. Beim Fußball fühlten wir uns sicher.‘“

Ronny Blaschke: ‚Sport in der DDR. Wie vietnamesische Vertragsarbeiter Schutz im Fußball fanden‘, Deutschlandfunk, 2023, deutschlandfunk.de

Interviewerin: Ich bin einfach sehr berührt und dankbar.

Daniela Viloria: Und ich bin erst mal dankbar. Überhaupt.

Eine WueRD-Interviewerin und Daniela Viloria im Gespräch

Man könnte eigentlich anfangen und nie wieder aufhören. Aber ich habe jetzt eigentlich das Wesentliche gesagt oder bin es losgeworden. Es tut gut. Ja, voll. Es tut so gut, mal wieder darüber zu reden, das rauslassen zu können und zu wissen, es hört sich gemein an, dass man damit nicht allein ist.

Amina Acar im Interview mit dem WueRD-Projekt

Gerade in Zeiten solcher Vereinzelung ist es gut, noch einmal mit anderen zu sprechen. Die Interviewpartner*innen, mit denen ich gesprochen habe, waren alle sehr schnell bereit, sich auf ein Gespräch einzulassen. Sie haben wichtige Geschichten erzählt und mir Einblicke in ihre Lebensgeschichten ermöglicht. Das ist nicht selbstverständlich, sondern ein großer Vertrauensvorschuss.

Es waren immer tolle Interviewräume, das muss man wirklich sagen: tolle Personen, wichtige Geschichten und viele Emotionen, die irgendwie auf etwas gerichtet waren. Das fand ich interessant. Schön war auch zu sehen, dass es immer noch diesen Moment gibt: Wir müssen irgendwie weitermachen. Ich habe trotzdem eine Zukunftsvision von XY. Das fand ich sehr schön zu erleben, neben all dem Schmerz und Pessimismus.

WueRD-Interviewerin

Daniela Viloria: Wir kämpfen weiter. Können wir die Telefonnummern austauschen, meine Herren?

Afonso Miranda: Ja, wir kämpfen. Wir haben nie aufgehört zu kämpfen.

Daniela Viloria und Afonso Miranda im Gespräch mit dem WueRD-Projekt