2003 zeigte Kodjo Attikpoe in einer wissenschaftlichen Untersuchung auf, dass Schwarze Figuren in deutschsprachigen Kinder- und Jugendbüchern der 1980er und 1990er Jahre klischeehaft und in negativer Weise dargestellt wurden. Eine solche klischeehafte Rolle, die nicht-weißen Kindern in Büchern und Hörspielen zugewiesen wird, lässt sich bis heute erkennen. Kritik daran wird von Autor*innen, Musiker*innen, Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen formuliert und mit der Forderung verbunden, solche Darstellungen zu verändern.
Viele Kinder schauen gerne Zeichentrickfilme und andere Kinderserien, lesen Bücher und Comics, ihnen wird vorgelesen oder sie hören Hörspiele. In seiner 2003 als Buch erschienenen wissenschaftlichen Studie arbeitete Kodjo Attikpoe heraus, wie in den 1980er und 1990er Jahren Schwarze Charaktere in Kinder- und Jugendbüchern stereotyp, das heißt klischeehaft und einseitig, und in negativer Weise dargestellt wurden. Auch der Musiker Gandhi Chahine von der Band ‚Sons of Gastarbeita‘ erklärt in einem Gespräch im Rahmen des WueRD-Projektes, dass seine Bandkollegen und er bemerkt haben, dass die weißen Superheld*innen der 90er Jahre in medialen Darstellungen nicht aussehen wie sie. Diese fehlende Darstellung nicht-weißer Personen in Filmen und Büchern bewegte Chahine und seine Bandkolleg*innen 1996 dazu, den Song ‚Action Man‘ zu veröffentlichen, der diese Thematik aufgreift.
Inzwischen gibt es einige Medien wie Bücher oder Serien, die für junge Menschen gestaltet wurden, in denen rassismuserfahrene Personen bestimmte, auch tragende Rollen übernehmen. Dennoch, so stellt die Kinderbuchillustratorin Ayşe Klinge heraus, sind solche Medien für Kinder und Jugendliche weiterhin davon geprägt, dass in erster Linie weiße Personen dargestellt werden. Rassismuserfahrene Kinder werden demnach, so sie in solchen Medien vorkommen, oftmals entweder in einer Rolle als Aufklärer*innen über Rassismus für rassismusunerfahrene Menschen dargestellt oder als Personen, die Probleme haben oder Probleme machen. Bedeutsam ist dabei auch, dass ältere Kindermedien mit zuweilen auch rassistischen Inhalten nach wie vor unverändert produziert und weiterhin konsumiert werden. Etwa die bis 1996 produzierten 100 ersten TKKG-Hörspielfolgen, in denen teilweise rassistische Sprache genutzt wird, sind weiterhin abrufbar und haben bei Spotify 230.000 monatliche Hörer*innen.
In ihrer Studie hebt die Wissenschaftlerin Adolé Akue-Dovi hervor, wie Rassismen in der TKKG-Hörspielreihe auf junge Schwarze Hörerinnen wirken. Die Hörer*innen nehmen Rassismus im Hörspiel wahr und kritisieren diesen als Ungerechtigkeit. Auch die im Rahmen von WueRD interviewte Gülay Demir erklärt am Beispiel von Eulen in einer Zeichentrickserie, dass ihr Sohn unterschiedliche Darstellungen von Figuren entlang von farblichen Kodierungen wahrnimmt. Hier wird deutlich, dass bereits Kinder Unterscheidungen wie auch Zuschreibungen erkennen und benennen können. Wie am Beispiel TKKG deutlich wird, erkennen sie auch Muster, durch die eine rassistische Normalität, Abwertung und Ausgrenzung weitergetragen werden. Die Soziologin und Diversity-Trainerin Nkechi Madubuko weist darauf hin, dass Kindern in Büchern und Hörspielen eine Vorstellung darüber vermittelt wird, welcher Platz ihnen in der von Rassismus strukturierten Gesellschaft zugewiesen wird. Kindern werden so auch Angebote dazu gemacht, wie sie sich selbst sehen und verstehen können und dürfen. Rassismuserfahrene Kinder erleben dabei weiterhin häufig abwertende und geringschätzende Zuschreibungen, die so für ihr Verhältnis zu sich, anderen und der Welt relevant werden.
In dieser Spur wird das Wissen deutlich, welches rassistisch diskriminierbare Personen über die negative oder mangelnde Darstellung von rassismuserfahrenen Personen in Kindermedien haben. Dieses Wissen sollte von Buchautor*innen und Verlagen zum Anlass genommen werden, ihre Angebote kritisch zu überarbeiten.