Ich glaube, das war schon wie so eine Art aufwachen! So würde ich das nennen. Ein Aha-Moment. Aber eben auch erst, als ich mich mit anderen Schwarzen Frauen auseinandergesetzt habe und gemerkt habe: Es gibt definitiv Ähnlichkeiten. Wir können an eine gemeinsame Sache irgendwie anschließen, haben ähnliche Erfahrungen gemacht, darin aber auch noch mal ganz viel individuelle Erfahrungen gemacht. Ich glaube, das war so der Moment, wo ich gemerkt habe: Okay, es gibt noch mehr Menschen, die so positioniert sind, die irgendwie ihre Identität so sehen. Das war glaube ich auch so das stärkende daran. Teil von etwas zu sein, obwohl es die ganzen Jahrzehnte davor sich immer angefühlt hat wie niemals, niemals, niemals Teil von irgendwas zu sein.
„Empowerment kommt von Power. Das ist das englische Wort für Macht. Empowerment bedeutet daher so viel wie (Selbst)Ermächtigung. Gemeint ist damit ein Prozess, in dem strukturell benachteiligte Menschen ihre eigenen Kräfte entwickeln und ihre Fähigkeiten nutzen, um an politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen teilzuhaben und so ihre Lebensumstände und Entwicklungsmöglichkeiten zu verbessern; unabhängig vom Wohlwollen der Mehrheitsangehörigen.“
Es gibt ja auch Mikroaggressionen, wo man selber sich fragt: ‚Hä? War das so? Habe ich das jetzt so oder übertreibe ich? Vielleicht ist das ja gar nicht so?‘ Aber wenn dann jemand anders genau das Gleiche fühlt und dir sagt: ‚Nee, das habe ich genauso gefühlt und gesehen‘, dann hilft das. Erst im Nachhinein, Jahre später, wusste man, das war richtige Diskriminierung. Das habe ich überhaupt nicht so gesehen. Das habe ich überhaupt nicht so registriert sofort. Jetzt sind unsere Antennen sehr, sehr fein. Das registriert man sofort. Aber damals war es nicht so, also man wurde auch nicht aufgeklärt und gar nichts. Heute hat man Bücher, die liegen hier überall rum für meine Kinder. Wir reden viel darüber. Also das hätte ich mir so gewünscht. Damals auch diese Empowerment-Kurse und so was. So Sachen.
Wer oder was stärkt dich?
Und was mich schon sehr unterstützt hat, waren halt so Freundschaften mit Personen, die auch aus diesem System rausfallen. Also so ein bisschen, man könnte sagen, vielleicht so sowas wie ein kleiner Empowerment-Raum, den man sich da geschaffen hat. Also drei, vier Freundinnen, mit denen wir dann wirklich auch zusammen gelernt haben und. Dann war das auch egal! Also es war dann egal, was die anderen dachten oder sagten.

„Dieser Band veranschaulicht die Verbindungen Schwarzer Frauen über Grenzen und Unterschiede hinweg. Er bietet einen verdichteten Überblick über das Leben, die Visionen und die Philosophie Audre Lordes. Marion Kraft, eine enge Freundin Audre Lordes präsentiert in diesem Buch persönliche und facettenreiche Essays über das Werk, Leben und die Visionen Audre Lordes. In einem Interview aus dem Jahr 1986 kommt Audre Lorde selbst zu Wort.“
Jetzt mit meiner pädagogischen Brille, als jemand, der Empowermentarbeit macht, weiß ich, das war damals, der geschützte Raum. Wir hatten aber die Begriffe nicht dafür, ne? Wir hatten einen geschützten Raum, da waren Gleichgesinnte, rassifizierte Menschen, die sich austauschen konnten, ohne dass etwas relativiert oder negiert wird. Wo sofort klar ist ‚Ich weiß genau, wovon du redest, Ich fühle das Gleiche. Ich fühle es ähnlich.‘ Das war immer bei uns Konsens und das hat uns sehr, sehr geholfen, mit diesen Wunden einigermaßen leben zu können.
„Mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung fand das Empowerment-Konzept seit den 1990er Jahren schließlich auch Rezipient_innen im deutschsprachigen Raum, kam dort über vornehmlich wissenschaftliche Publikationen (Herriger 1991: 221-229; Stark 1991: 213-232; Keupp 1992: 244-250) zunächst jedoch nur in bestimmten akademischen Sparten und spezifischen Berufsfeldern (zum Beispiel in den Bereichen Sozialarbeit, Sozialpsychologie, Gesundheitswesen, Entwicklungshilfe, Gemeinwesenarbeit, Personalmanagement) sprachlich und konzeptionell zur Anwendung. Somit erfuhr der in den genannten sozialen Arbeitsbereichen bereits bestehende und sich ab den 1950er Jahren in der bundesdeutschen Gesellschaft verstärkt durchsetzende Selbsthilfe-Ansatz gegenüber dem paternalistischen Defizit-Ansatz der etablierten professionellen Versorgungssysteme eine wesentliche Bereicherung. Inzwischen hat sich der damit zusammenhängende Wirkungskreis sehr vergrößert. Entsprechend unterschiedlich und vielfältig fallen auch die konzeptionellen Auslegungen und praktischen Umsetzungen von Empowerment aus.“
Empowerment
„Der Begriff wurde von der US-amerikanischen Bürgerrechts- und Selbsthilfebewegung geprägt und steht für Selbst-Ermächtigung oder Selbst-Befähigung. Gemeint ist damit ein Prozess, in dem benachteiligte Menschen ihre eigenen Kräfte entwickeln und ihre Fähigkeiten nutzen, um an politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen teilzuhaben und so ihre Lebensumstände und Entwicklungsmöglichkeiten zu verbessern – unabhängig vom Wohlwollen der Mehrheitsangehörigen. Dazu zählen Konzepte und Strategien, die dazu beitragen, dass Menschen in (relativ) marginalisierten Positionen ein höheres Maß an Selbstbestimmung und Autonomie erhalten und ihre Interessen eigenmächtig, selbstverantwortlich und selbstbestimmt vertreten und durchsetzen können. Empowerment bezeichnet dabei sowohl den Prozess der Selbstermächtigung als auch die professionelle Unterstützung der Menschen, ihre Gestaltungsspielräume und Ressourcen wahrzunehmen und zu nutzen.“
Ich würde sagen, so das Gefühl von vereinzelt zu sein und keinen Anschluss zu haben, das hat sich bei mir auch bis in das Erwachsenenalter durchgezogen. Also ich glaube auch so einen richtigen Anschluss an andere Schwarze Menschen oder auch so ein Gefühl von Community oder Dazugehörigkeit hatte ich, glaube ich, auch erst in meinen 30er Jahren, also wirklich sehr, sehr spät. Und davor hätte ich gar nicht formulieren können, dass mir das fehlt. Rückblickend würde ich sagen, es hat mir auf jeden Fall gefehlt. Ich habe das irgendwie schon gespürt, aber ich hatte nie Worte dafür. Und ich hatte auch nicht den Raum, mit irgendwem über Erfahrungen zu sprechen.
Ostdeutsch sein, Schwarz sein, Teil auch der afrokubanischen, afrokaribischen Community zu sein. Das finde ich schon sehr besonders und wichtig für mich, weil ich das auch sehr politisch finde. Dann finde ich, ist da auch noch mal so eine doppelte Benachteiligung so drin. Als Schwarze Frau so durch die Welt zu gehen, ist schon irgendwie echt herausfordernd und mit mit vielen Nachteilen sozusagen verbunden. Und dann noch diese ostdeutsche Identität die ja so im bundesdeutschen Kontext ja auch nochmal so eine Abwertung erfährt. Und ich ziehe daraus aber Stärke. Also ich möchte mich eigentlich auch mehr dazu hinbewegen dazu, zu sagen, ‚das ist eine Ressource, das sind Erfahrungen, das ist das Wissen. Da ist auch viel Schönheit drin‘. Und das Besondere daran möchte ich für mich jetzt immer herausstellen und nicht nicht nur das darin sehen, was irgendwie so schwer ist.
