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#vonhier

Es wird oft gefragt: ‚Wo kommst du her?‘ Und wenn du sagst: ‚Ich komme aus Dresden.‘ Nach 40 Jahren, was soll ich sagen? Wo komme ich her? Dann kommt die Reaktion: ‚Nein, nein, nein, Bitte. Ursprünglich. Wo kommst du her?‘ Und ich sage immer: ‚Dresden.‘ Dann kommt: ‚Nein, aber du siehst nicht wie ein Deutscher aus.‘ Ich sage dann: ‚Wie sieht ein Deutscher aus?‘ Biodeutsch ist gerade vorheriges Jahr das Unwort des Jahres geworden. Also damit sage ich, Rassismus ist eine Erfindung, um jemanden besser als andere darzustellen, aber das ist eine Schande.

Dev Raval im Interview mit dem WueRD-Projekt

Wer ist deutsch und wer entscheidet dies?

Als Mutter würde ich es schrecklich finden oder es würde mir das Herz brechen, wenn ich wüsste, dass meine Kinder solche Fragen auch auf so eine aggressive Weise gestellt bekommen. Genau, also wenn man diese Frage jetzt durch die Generation durchspinnt, dann ist das so eine Frage, die immer gestellt wird, die immer bleibt.

Luciana Rubio im Interview mit dem WueRD-Projekt

„Wer selbst nicht ständig auf die Herkunft angesprochen wird, merkt es vielleicht gar nicht, aber: Wir sind in Deutschland besessen von Wurzeln. Wir reden über Stämme, Herkünfte und Kulturen, als sei es das Natürlichste der Welt, Menschen in diese Schubladen zu stecken. Wir finden es überhaupt nicht völkisch, wegen äußerlichen Merkmalen auf eine ausländische Herkunft zu schließen, weil es nun mal interessant ist, danach zu fragen. Weil es angeblich etwas über die Person aussagt. Und weil es nicht böse gemeint ist.“

Ferda Ataman in ihrem Spiegel-Beitrag „Der ethnische Ordnungsfimmel“, spiegel.de

-„Sie haben aber einen schönen Namen. Wo kommen Sie denn her?”

-„Aus dem Rheinland“

-„Sie haben sicher ausländische Wurzeln?“

-„Meine Eltern kommen aus der Türkei.“

-„Dafür sprechen Sie aber sehr gut Deutsch. Man hört nur einen klitzekleinen Akzent.“

-„Das ist Kölsch.“ #vonhier

Yasemin El-Menouar am 24.02.2019 auf Twitter, x.com

Heute weiß ich, wir sind zu Fremden gemacht worden. Wir waren nie fremd. Wenn du als Kind hierhin kommst oder hier geboren wirst. Du bist nicht fremd. Du wirst zu einem Fremden gemacht.

Bassam Haddad im Interview mit dem WueRD-Projekt

„Die Frage nach der Herkunft beinhaltet die koloniale Phantasie, dass Deutsch gleich weiß bedeutet und Schwarz gleich Fremd (Ausländer). Es ist eine Konstruktion, in der ‚Rasse‘ innerhalb spezifischer nationaler Grenzen imaginiert wird, und Nationalität als ‚Rasse‘. Schwarz und Deutsch werden also als zwei Kategorien reproduziert, die sich gegenseitig ausschließen: man ist Schwarz oder Deutsch, nicht Schwarz und Deutsch. Das ‚und‘ wird durch das ‚oder‘ ersetzt.“

Grada Kilomba in ihrem Beitrag „Wo kommst du her?“ auf der „Heimatkunde“-Webseite der Heinrich-Böll-Stiftung (ohne Jahr), heimatkunde.boell.de

„Man stelle sich folgende Situation vor: Du kettest dein Fahrrad an einem Fahrradständer vor der Haustür an. Plötzlich steht ein

Mann, fortgeschrittenen Alters neben dir und ohne Hallo und irgendwelche Kenntnis über deine Person, erklingt die Frage: Woher kommst du?

Ein etwas abgenervtes ‚aus der Uni‘ ertönt. Kurzes Schweigen beim Gegenüber: Ja aber… so ursprünglich, meine ich?! Kess, und mittlerweile auf diesen Dialog gut vorbereitet: Ja also so ursprünglich… so ganz ursprünglich (bewusst, das beim Gegenüber bei der Antwort eine Unbefriedigung zurückbleiben wird) komme ich aus dem Bauch meiner Mutter. So oder so ähnlich laufen diese Dialoge rund um meine Herkunft ab. Dabei ist es doch ganz einfach. Ich komme aus Bielefeld. Das hier ist meine Gesellschaft. Ich fühle mich nicht als Teil dieser Gesellschaft, sondern ich bin ein Teil von ihr. Teil einer Gesellschaft, die mich mal will, vor allem dann, wenn es um Gelder zur ‚Förderung und Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund‘ geht. Und mal nicht.“

Yasmina Gandouz 2007 in der Broschüre „Deùtşche Gešchıćhte(n) – Zugänge junger Menschen zu Geschichte in der Migrationsgesellschaft“, maedchentreff-bielefeld.de

“Solche Dialoge sind nur möglich aufgrund unterstellter Normalitätsvorstellungen. Solche Dialoge sind nur möglich, weil ein imaginäres Wissen über Zugehörigkeit und Identität existiert. Aus einer rassismustheoretischen Perspektive kann man sagen, dass dieses Wissen eine Imagination ist, die – zumeist unbewusst – an Rassekonstruktionen anschließt, nämlich an Konstruktionen, in denen aufgrund von natio-ethno-kulturellen Kennzeichen Menschen zu Gruppen zusammengefasst werden, denen Eigenschaften zugewiesen werden, die sie als ‚fremd‘, ‚unzugehörig‘ oder gar ‚minderwertig‘ bezeichnen.“ 

Paul Mecheril 2007 in seinem Beitrag „Die Normalität des Rassismus“, Überblick
„Zwischen Rassismus und Neugier: Woher kommst du?“, MAITHINK X, 2019,youtube.com

@Supremebubble
„Und warum arbeiten Sie nicht in Vietnam?“
„Ist mir etwas zu weit weg von zuhause.“
Antworten
@singersvetlanatritonus
Coole Antwort, wäre mir nicht eingefallen!
@こわいくま-n7u
Das wäre wohl wirklich die beste Antwort xD
@oliverarndt945
Warum arbeiten Sie nicht in Vietnam? Weil die U-Bahn da nicht hin fährt!

Kommentare unter dem Youtube-Video “Zwischen Rassismus und Neugier: Woher kommst du?” des Kanals MAITHINK X