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Zukünfte

Mein Traum: Rassismus wird irgendwann aus dieser Welt erledigt sein. Das ist mein Traum.

Dev Raval im Interview mit dem WueRD-Projekt

Welche Zukunft erträumst du dir?

Was wünsche ich mir? Ich bin leider ein sehr negativer Mensch. Ich sehe eigentlich immer erst das Schlechte und dann das Gute. Ich wünsche mir, es wäre anders. Bezogen auf Deutschland wünsche ich mir, dass wir die Situation, in der wir jetzt sind, einfach annehmen und positiv sehen. Nehmt das Schöne und das Gute darin wahr. Es gibt immer schlechte Menschen und schlimme Dinge, egal woher. Das hat nichts mit Herkunft zu tun. Menschen sind unterschiedlich. Solange man niemandem schadet und sich einigermaßen an die Regeln hält, denn wenn man miteinander lebt, braucht man gewisse Regeln, wo ist das Problem? Ich wünsche mir, dass man einfach rausgehen und sich sicher fühlen kann. Dieses Leben und leben lassen und vielleicht auch das eine und andere schön finden, das wäre ideal in Deutschland.

Und für die Welt: Weltfrieden. Es gibt verschiedene Menschen, und das Ganze nicht wegschlachten oder wegdenken. Man kann es auch gerechter regeln. Dann bin ich vielleicht nicht Milliardär, aber es geht mir trotzdem gut.

Amina Acar im Interview mit dem WueRD-Projekt

Ich würde mir einfach wünschen, dass meine Herkunft keine große Rolle mehr spielt. Dieses Gefühl habe ich in den eigenen Räumen, in den eigenen Safe Spaces, mit den eigenen Freunden. Da habe ich oft das Gefühl, dass meine Herkunft keine Rolle spielt und wir eine respektvolle Beziehung haben. Aber wenn man sich dann in die Welt hinauswagt, spielt sie doch wieder eine so große Rolle. Und das finde ich so traurig.

Maraam Kandil im Interview mit dem WueRD-Projekt

Was wünsche ich mir für die Zukunft? Ich wünsche mir mehr Anwaltschaft. Ich wünsche mir, dass man zusammen mit deutschen weißen Menschen zusammensteht, wenn jemand im Bereich Rassismus Ungerechtigkeit oder Diskriminierung erlebt. Wenn sich die Person verletzt oder rassistisch diskriminiert fühlt und das artikuliert, verbal oder durch Emotionen, wünsche ich mir, dass sie gestützt wird und ein Bündnis erfährt, ein sichtbares, hörbares Bündnis. Das wünsche ich mir auf allen Ebenen: in der Gesellschaft, im Beruf, in der Öffentlichkeit und in der Politik.

Priya Varghese-Müller im Interview mit dem WueRD-Projekt

Das soll nicht pathetisch klingen, aber ich finde, es ist einfach, tolerant zu sein. Dafür braucht es überhaupt keine Anstrengung. Es sollte in jedem von uns stecken, dass jeder so sein darf, wie er ist. Menschen können nichts dafür, wie sie aussehen, woher sie kommen, welches Geschlecht sie haben oder zu welchem Geschlecht sie sich hingezogen fühlen. Das habe ich nie verstanden. Es hat mich immer wütend gemacht, dass das nicht selbstverständlich ist. Ich weiß nicht, ob ich jemals verstehen werde, woher dieser Hass auf das Unbekannte oder Andere kommt, das nicht in die eigene Norm passt. Ich wünsche mir einfach, dass Akzeptanz normal wird. Ich weiß, dass das unrealistisch ist. Rassismus hat es schon immer gegeben und wird es immer geben. Dasselbe gilt für Sexismus und vieles andere. Es gab aber auch immer Fortschritte, und das ist wichtig. Wichtig ist, dass die Politik Veränderungen anstößt und es zum Beispiel Quoten gibt. Auch wenn man denkt, dass man so etwas eigentlich nicht brauchen sollte, braucht man es offensichtlich doch. Nur so kann sich gesellschaftlich etwas ändern. Ich wünsche mir grundsätzlich mehr Akzeptanz. Das ist für mich eigentlich das Einfachste, was man sich wünschen kann. Es ist schwierig zu beschreiben, weil ich mit anderen Werten groß geworden bin und nicht verstehen kann, warum andere Menschen so sind, wie sie sind.

Noah García im Interview mit dem WueRD-Projekt

Ich habe mir immer naiverweise gewünscht, dass unsere Kinder so etwas nicht durchmachen müssen. In gewisser Hinsicht müssen sie vielleicht nicht mehr alles so hinnehmen. Wie gesagt, sie können sich jetzt wehren und Dinge hinterfragen. Das ist auch schon passiert, zum Beispiel in der Klasse meiner Tochter. Sie hat mir einige Sachen erzählt, die ich total toll fand. Ich führe das darauf zurück, dass sie und die anderen Kinder aufgeklärt sind, dass ihnen diese Erfahrungen nicht abgesprochen werden, ihnen zugehört wird und sie aufgeklärt und gestärkt werden. So haben sie wirklich mehr Kraft und keine Ängste.

Eigentlich wünsche ich mir, dass es so etwas überhaupt nicht gibt und wir uns damit gar nicht beschäftigen müssen. Unsere Kinder sollen genau die gleichen Chancen haben wie ein deutsches Kind und dieselben Privilegien. Das soll nicht an fehlenden Geld- oder Bildungsressourcen scheitern, etwa daran, ob ein Kind aus einem gebildeten Haushalt kommt oder nicht. Unsere Kinder sollen sich nicht erklären müssen, woher sie kommen oder woher ihre Großeltern kommen.

Meryam Daly im Interview mit dem WueRD-Projekt

Ich wünsche mir für die Zukunft, dass in Europa eine gewisse Sensibilisierung herrscht und ein Perspektivwechsel stattfindet. Der Mensch sollte als Schöpfung Gottes betrachtet werden. Wenn wir anfangen, Menschen so zu sehen und keine Hautfarbe mehr, erkennen wir, dass Gott uns alle gleich geschaffen hat. Meiner Meinung nach ist das der erste Schritt, um Rassismus zu bekämpfen: unsere Betrachtung von Menschen zu verändern.

Außerdem wünsche ich mir, dass Menschen aufgrund ihrer Fähigkeiten, Kompetenzen und ihres Wissens die Gelegenheit bekommen, etwas zu sein und zu machen, und nicht aufgrund ihrer Hautfarbe. Nur so kann sich eine Gesellschaft entwickeln, sozialökonomisch und soziopolitisch. Die richtigen Menschen müssen aufgrund ihres erworbenen Wissens, ihrer Erfahrungen und Kenntnisse Chancen bekommen und nicht, weil sie anders aussehen.

Heute versucht man, Bewerbungsgespräche und Stellenanzeigen neutraler zu gestalten. Bewerbungen können sogar ohne Namen, Herkunft oder kulturelle Zugehörigkeit eingereicht werden. Meiner Meinung nach zeigt das, wie tief Rassismus in der Gesellschaft verankert ist. Solche Wege können Diskriminierung vielleicht umgehen oder verringern, aber ich weiß nicht, ob das die richtige Lösung ist. Wir müssen uns der Tatsache stellen und offen damit auseinandersetzen.

Drittens wünsche ich mir eine politische Lösung für das Problem Rassismus. In Deutschland gibt es für alles Gesetze und Regeln. Warum gibt es keine klare Regel und keine Strafe für Rassismus? Solange es keine klare gesetzliche Regelung und Strafe gibt, wird es immer Rassismus geben. Natürlich wird es ihn weiterhin geben, aber eine gesetzliche Regelung könnte seine Häufigkeit vielleicht reduzieren.

Marcus Adu im Interview mit dem WueRD-Projekt

Im Türkischen gibt es einen Begriff: üslûp. Die Kunst zu reden. Ich meine damit auch eine sensible Sprache gegenüber dem Anderssein. Das wünsche ich mir. Auch wenn ich nicht zu dieser Gruppe gehöre, soll die Sensibilität in meiner Sprache hörbar werden. Gerade in der Politik, bei Begrifflichkeiten, auch im Parlament. Es stört mich, und ich wünsche mir, dass auch die Politik oder die Narrative allgemein einen üslûp bekommen, einen Rahmen, in dem niemand verletzt wird.

Elif Deniz im Interview mit dem WueRD-Projekt

Es gibt sehr viele Kämpfe, die wir führen müssen. Die Frauen haben hart für das Wahlrecht gekämpft. Auch Sozialgesetze und Demokratie wurden erkämpft. Wir reden von Gleichstellung, aber wie sieht die Realität aus? Haben alle die gleichen Zugänge? Wovon hängt das ab?

Ich wünsche mir, dass mehr Menschen eine Haltung entwickeln und Diskriminierung als solche begreifen. Wir müssen verstehen, dass Menschen von mehreren Formen der Diskriminierung betroffen sein können und dass wir keinen Kampf gewinnen, wenn wir ihn allein führen. Wer gegen Rassismus ist, muss sich auch gegen Sexismus einsetzen. Wir müssen unsere Machtpositionen hinterfragen. Als Mann muss auch ich machtkritisch sein. Meine Lebensgefährtin kennt sich mit Rassismus besser aus als ich. Trotzdem würde man mir eher zuhören, weil ich männlich gelesen werde. Auch weiße Menschen müssen ihre Privilegien hinterfragen.

Wir sollten unterschiedliche Diskriminierungsformen und Rassismen erkennen und uns mit ihren historischen Zusammenhängen auseinandersetzen. Dabei müssen wir fragen: Wo brauchen wir Verbündete? Wo müssen wir zusammenarbeiten und Allianzen bilden? Manchmal müssen wir auch das eigene Thema zurückstellen und solidarisch sein. Viele konkurrieren um knappe Ressourcen, und es ist gewollt, dass wir um diese Mittel kämpfen.

Ich wünsche mir auch, dass wir das Wissen, das wir uns in der BIPoC-Community angeeignet haben, weitergeben, statt es nur für das eigene Vorankommen zu nutzen. Ich möchte nicht mit meinem Wissen sterben. Wir sollten zusammenarbeiten und überlegen, wie eine gerechtere Gesellschaft aussehen kann, die möglichst alle Menschen mitnimmt und ihre Vielfalt, Kompetenzen und Menschlichkeit wertschätzt.

In meiner Arbeit höre ich von Menschen mit Fluchterfahrung, dass sie zum ersten Mal das Gefühl haben, gleichwertig zu sein. Das ist schön und zugleich traurig. Ich wünsche mir, dass alle Menschen, die hier sind, sich gleichwertig fühlen. Niemand ist schlechter oder besser. Wir müssen es schaffen, einander als Menschen zu begegnen. Das ist vielleicht eine Illusion, aber wir brauchen Visionen. Sonst fehlt mir der Grund, weiterzuarbeiten.

Bassam Haddad im Interview mit dem WueRD-Projekt

(Wie) kann die Zukunft rassismusfrei werden?

Zukunft bedeutet, dass ich in zwei, drei Jahren nicht mehr da bin. Die Kinder werden ihr Leben so einrichten, wie sie leben wollen. Ich versuche auch, ihr Leben leichter zu machen und eine Grundlage für ihr weiteres Leben zu schaffen.

Ravi Kumar im Interview mit dem WueRD-Projekt

Na ja gut, wie sagt man? Die Hoffnung darf nicht sterben. Man sagt fälschlicherweise: ‚Die Hoffnung stirbt zuletzt.‘ Aber die Hoffnung darf nie sterben, auch nicht zuletzt. Die Hoffnung besteht. Prinzip Hoffnung.

Reza Asadi im Interview mit dem WueRD-Projekt

Boah, ich habe echt gedacht: Das ist eine schwierige Frage, die Frage nach der Zukunft, die ich mir wünsche. Wenn wir wirklich alle Möglichkeiten hätten, wünschte ich mir, dass wir alle solidarisch auf die Straße gehen. Egal, ob gegen Rassismus, Sexismus oder anderes: Wir sollten alle Hand in Hand, wie bei dieser Lichterkette, nach draußen gehen und die Arbeit niederlegen. Meine Tochter meinte letztens: ‚Mama, was würde denn passieren, wenn alle Migrant*innen nicht mehr zur Arbeit gingen?‘ Natürlich muss ich mir dabei auch an die eigene Nase fassen. Aber das wünschte ich mir: dass wir alle einmal nach außen sichtbar werden und die Waffen zerschmettern. Ich wünschte wirklich, dass Waffen verboten und zerstört würden, weil das echt schlimm ist. Und für mich selbst wünsche ich mir, dass ich nicht schlafen müsste, damit ich mehr Kapazitäten habe und mich zu einem Menschen entwickle, der überhaupt keinen Schlaf mehr braucht.

Meral Rizani im Interview mit dem WueRD-Projekt

Ich wünsche mir den Jackpot, damit ich den Widerstand finanzieren kann. Eine Freundin und ich haben gesagt: Wenn wir den Jackpot knacken, geben wir jeder Widerstandsgruppe etwas, damit sie gestärkt wird. Dann können alle zusammenkommen. Wirklich, anders geht es nicht. Die Rechten haben das ja. Guck dir die mal an! Überall sind sie, wo du hinguckst. Unabhängig vom Jackpot: Was wünsche ich mir? Ich weiß nicht, ob die Welt noch zu retten ist. Ich glaube, die Welt ist nicht mehr zu retten. Aber ich wünschte, wir würden sie retten. Letztendlich retten wir uns selbst, wenn wir die Welt retten.

Hülya Torun im Interview mit dem WueRD-Projekt

Also, wir haben ja gesetzliche Rahmenbedingungen, die eigentlich super sind: die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, das Grundgesetz. Es gibt viele Gesetze, die wirklich gut sind, wenn man sich genau damit beschäftigt. Aber wir haben ein Umsetzungsproblem. Ich wünsche mir, dass die Menschen diese Gesetze umsetzen. Dann hätten wir, glaube ich, schon ziemlich viel gewonnen: Gesetze umsetzen, empathischer und menschlicher sein. Gerade haben wir es mit ziemlich vielen krassen, militarisierenden Momenten zu tun, die jegliche Menschlichkeit vermissen lassen. Das finde ich brutal und nicht schön. Natürlich wünsche ich mir eine bessere Zukunft für unsere Kinder. Ich habe auch zwei Kinder und wünsche mir für sie eine bessere Welt und dass wir uns alle besser miteinander verbünden, weil wir alle in irgendeiner Weise von Diskriminierung betroffen sind, Mehrfachdiskriminierung und so weiter. Trotzdem habe ich Hoffnung, dass viele Menschen ziemlich cool sind und sich noch stärker dafür einsetzen. Ich glaube, es gibt keine andere Option. Früher habe ich nicht darüber nachgedacht, wieder in die Türkei zu gehen. Das ist für mich auch jetzt nicht das Richtige. Ich werde hier kämpfen.

Hakan Kaya im Interview mit dem WueRD-Projekt

Was wünsche ich mir für die Zukunft? Die AfD soll es nicht mehr geben, sie soll sich einfach in Luft auflösen. Und ich wünsche mir, dass wir Menschen respektvoll miteinander umgehen. Mehr will ich gar nicht. Ich bin ein Mensch, du bist ein Mensch, wir alle sind Menschen. Wir alle haben Bedürfnisse, Macken, Vorstellungen und Wünsche. Die Welt ist groß genug. Können wir uns nicht alle einfach ein bisschen Raum geben? Das hört sich so pitzelig an, aber müssen wir uns immer so aufreiben? Müssen wir uns wegen so etwas an die Köpfe gehen? Wenn ich die Ukraine sehe, wenn ich an Palästina und Israel oder den Sudan denke, verstehe ich das nicht. Ich will es nicht verstehen. Ich glaube, das ist einfach ein bisschen Kraftlosigkeit. Man braucht echt viel Kraft, immer wieder.

Gülay Demir im Interview mit dem WueRD-Projekt

Was ich in der nächsten Generation sehe, ist eine Selbstverständlichkeit, die mir viel Freude macht. Darauf bin ich richtig stolz. Ich finde es klasse, wie sie sich zur Wehr setzen, sich behaupten und für ihre Rechte kämpfen. Da hat sich schon einiges verändert. Viele wachsen jetzt tatsächlich mit ihren Eltern und Vätern auf. Was ich so klasse finde, ist, dass ich jetzt viele Gruppen von Kindern afrikanischer Herkunft sehe, die offensichtlich als Schwarz gelesen werden. Sie gehen zusammen weg, machen Partys und treten mit einem ganz anderen Selbstverständnis auf. Das macht mir sehr viel Hoffnung. Insofern bin ich voller Hoffnung. Ich hoffe, dass uns der Klimawandel oder andere Katastrophen nicht zuvorkommen. Langfristig wird sich alles vermischen. Wenn uns keine anderen Probleme zuvorkommen, sehe ich für die Zukunft nur Gutes am Horizont.

Obum Müller im Interview mit dem WueRD-Projekt